Manfred Faust (1936-1997)



Gedenkfeier

Zum Gedenken an Manfred Faust, den im November 1997 verstorbenen Inhaber der Professur für Germanistische Sprachwissenschaft an der Universität Konstanz, findet am Freitag, dem 29. Januar 1999, 16 Uhr c.t. im Hörsaal A702 eine akademische Feierstunde statt.
Hierzu laden wir Sie herzlich ein.

Prof. Dr. Gereon Wolters Prof. Dr. Frans Plank
Dekan der Philosophischen Fakultät Sprecher der FG Sprachwissenschaft

Programm



Nachruf

Manfred Faust war seit 1980 Professor für Germanistische Sprachwissenschaft an der Universität Konstanz. In Tübingen für das Fach Allgemeine und Vergleichende Sprachwissenschaft promoviert (1963) und habilitiert (1975), entstammte er einer Tradition, in der Sprachen nicht als einzelne, sondern im Zusammenhang von Sprachfamilien Forschungsgegenstand sind und das Interesse den frühen Entwicklungsstufen dieser Familien gilt und dem Zeugnis, das sie von der Geschichte der Völker geben.

Was Faust in seinen ersten Arbeiten beschäftigte, in Aufsätzen und in zwei Büchern (Rechtsrheinische Zuflüsse zwischen den Mündungen von Main und Wupper, Wiesbaden 1965; Die antiken Einwohnernamen und Völkernamen auf -itani, -etani, Göttingen 1966), waren Namensformen, Namen von Flüssen, von Orten und Ländern und ihren Bewohnern, die Namenslandschaften des alten Europa und besonders des antiken Mittelmeerraumes. Auf diesem namenkundlichen Forschungsfeld der Rekonstruktion vorgeschichtlicher Wanderungen und Beziehungen von Völkern treffen sich gerade heute wieder, in neuer Intensität, Sprachwissenschaft und Archäologie.

Noch in Tübingen hat Faust für sich selbst allerdings Wege weg von einer Sprachwissenschaft gesucht, die ihm zu ausschließlich auf die Vergangenheit gerichtet war, Wege, die er jungen Menschen, die sich diesem Studienfach mit anderen Erwartungen zuwandten, nicht verschlossen sehen wollte. An der Universität Konstanz mit ihrer offeneren, nicht nationalphilologisch oder indogermanistisch begrenzten Sprachwissenschaft hat Faust dafür Raum gefunden, so viel oder wenig, so freundlich oder kalt, wie ihn heutige akademische Verhältnisse bieten können.

Eines seiner neuen Themen in Forschung und Lehre wurde die tägliche Verwendung heutiger Sprache in all ihrer Verschiedenheit — zum Beispiel beim Schimpfen ('Metaphorische Schimpfwörter', 1969), in der Kommunikation von und mit Ausländern ('On the bilingual lexicon of Greek school children in the Federal Republic of Germany', 1984; 'Diaphasische Variation im Sprechen mit Ausländern', 1988), bei politischen Fernsehdiskussionen ('Antagonistic interaction of top politicians in TV discussions', 1985), in heiterer Absicht ('Komische Unterhaltung', 1989). Eine Reihe von Studien hat er der sprachlichen Begleitung von bildender Kunst, Film und Musik gewidmet ('Entwicklungsstadien der Wortwahl in den Bildtiteln von Paul Klee', 1974; 'Sprachliches Zeichen und bildliche Darstellung', 1979; 'Dindirindín, ein romanisches Lied', 1980). Als manche seiner Interessen sich nur mit Mühe noch in den Kanon seines Faches einzufügen schienen, blieb er doch auch dem Kern der Sprachwissenschaft, der Grammatik, treu, insofern er verschiedene Beiträge zu ihrer Geschichte im 18. und 19. Jahrhundert lieferte, zur Wortbildung in der Sicht von Schottelius oder Jean Paul (1981, 1983), zur Sprachvergleichung Adelungs (1990).

Gleichsam neben dem fortgesetzten Alltagsgeschäft hat Faust in den letzten zehn Jahren maßgeblich eine kritische Edition betreut, die vordergründig in den Bereich der literarischen Komik gehört. Nachdem Karl Valentins Sämtliche Werke nunmehr in acht Bänden vorliegen (München: Pieper, 1991-97), erschließen sich die sprachphilosophischen Bezüge dieses Unternehmens nicht mehr nur den kleinen Kennerzirkeln, die in Valentin schon immer einen Ludwig Wittgenstein mit anderen Mitteln sehen wollten.

Manfred Faust hat sein Fach auf die ihm eigene Art vertreten. Seine Kollegen verabschieden sich von ihm mit Respekt.

Als sich der Weg seines Lebens zu erweitern versprach, hat eine schwere Krankheit ihn in die Enge getrieben.



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